...verblendeter Seelsorger?

 



 


Hm..... seltsam.....
Ich komme neu in eine Gemeinde, und die Leiterin der dortigen Seelsorge-Arbeit bietet sich höchstmotiviert für Gespräche an. Ich bin sehr beeindruckt, sage: "Ja, meinetwegen könnte man sich gerne mal treffen." Ich hatte eh sehr viele Fragen und suchte schon länger nach einem "Schreibtisch", auf dem ich mein Gepäck endlich mal ausbreiten konnte, um es dann nach und nach zu sortieren. So war ich also sehr dankbar für dieses Gesprächsangebot.
Man traf sich, alles sehr freundlich und engagiert. So wirklich *verstanden* fühlte ich mich zwar nicht, da die Seelsorgerin in irgendwelchen höheren Sphären schwebte. Aber ich war so dankbar für ihren Einsatz und man kannte sich ja noch gar nicht so und ich dachte mir, man muss ja eh erstmal miteinander warm werden, aufeinander zugehen. Da ich aber nach dem dritten Gespräch "noch nicht geheilt war", hatte sie auf einmal keine Zeit mehr. Ich hatte allerdings nicht den Eindruck, dass sie nach dem dritten Gespräch bereits begriffen hätte, worum es überhaupt geht. Wie gesagt, sie schwebte ja immer in ihren höheren Sphären und schaffte nicht so den Weg auf die Erde und in die Tiefe.
Ich wollte sie auch nicht bedrängen, da sie auch immer wieder betonte, dass es ihr auch selber oft nicht gutgeht. Sie hatte mir zwar auch angeboten, dass ich zu jeder Zeit bei ihr anrufen könne, aber ich hielt mich sehr zurück, mein Bauchgefühl gab mir Alarm (was mich sehr wunderte, weil sie doch so nett war).
Sie fuhr von einem "Fortbildungs"-Seminar zum anderen. Weiß nicht, ob ihre Familie das so toll fand, dass sie dauernd weg war, aber dafür hatte sie beim Pastor hohes Ansehen.

In der Gemeinde hörte ich durch Zufall in Gesprächen, dass noch mehrere(!) Personen, die zu dieser Seelsorgerin zu Gesprächen gingen, frustriert äußerten, dass diese Seelsorgerin "nie Zeit hatte". Sie sagten es allerdings halbwegs im Flüsterton, so als ob sie Angst hätten, dass es jemand hören könnte. ?? "Komisch", dachte ich mir, "warum sind die alle so vorsichtig und ängstlich?" Und das nicht nur darauf bezogen, sondern es gab noch manche andere "Tabus" in der Gemeinde, unausgesprochene Gesetze.

Als es mir dann mal sehr schlecht ging und ich diese Seelsorgerin wie üblich wieder nicht erreichen konnte, dachte ich mir, ach, was soll ich sie auch lange am Telefon aufhalten, mir wäre schon sehr damit gedient, meine Gedanken, die mich sehr quälten und die sich schon sehr aufgestaut hatten und ich nirgends damit hinwusste - diese Gedanken einfach nur aufzuschreiben, ihr zuzuschicken und auf diese Weise mit ihr diese Gedanken zu teilen. Also einfach, dass ich diese Gedanken nicht alleine denken muss, sondern jemand darum weiß. Sie brauchte mir nichtmal zu antworten, einfach nur durchlesen, es war auch nur wenig Text.
Was geschah? Sie antwortete!! Und zwar sogar per Telefon!!
Was sagte sie?
(Vorsicht, jetzt kommt ein sehr schlimmer Satz)
Sie sagte wörtlich (ich werde es nie vergessen, es war eins der schlimmsten Traumata von "Frommen"):
"Frieda, du missbrauchst mich als Mülleimer".

Soviel Dummheit aus dem Munde eines Ober-Seelsorgers einer "sehr frommen" Glaubensgemeinschaft ist nicht fassbar. Das ist Seelenfolter höchsten Grades.
Erst zum Öffnen ermutigen und dann reintreten.
Diese Person gehört sofort des Amtes enthoben. Aber für sowas gäbe es dort eh zuviel Geklüngel unter den "Leitern", die sich gegenseitig den Bauch kitzeln und die Erhaltung ihrer Machtbereiche mehr im Auge haben als die Realität.

Ich war so geschockt, dass ich freundlich-neutral, aber so schnell wie irgend möglich das Telefonat beendete. Ich schickte noch ein paar Zeilen hin, dass ich das Seelsorge-Verhältnis beenden möchte. Einfach so, ich gab keine Gründe an, dafür war ich noch viel zu geschockt, hatte noch gar nicht begriffen, was da eigentlich abgegangen war und hatte viel zu viel Angst, noch weiter gequält zu werden. Ich wollte einfach nur meine Ruhe haben, diesen Fußtritt erstmal verkraften. Und dabei war ich doch ursprünglich eigentlich zu dieser Dame hingegangen, um meine *bisherigen* Fußtritte, die ich in der vorherigen Gemeinde erlebt hatte(!), zu verarbeiten. Nun wurde ich von der Seelsorgerin, der ich mich in meiner Verletztheit geöffnet hatte, volles Pfund in die offenen Wunden getreten. Wie herzerfrischend.
Danach traute sie sich nicht mehr so wirklich an mich heran. Respektsabsstand? Hatte sie etwas begriffen?
Ich fürchte, nicht.
Denn folglich begegneten mir von ihr im Gottesdienst immer so Blicke, die wirkten wie mitleidvoll übertünchte Aggression. Sie sagte zwar nichts, aber aus ihrem Auftreten sprachen irgendwie die überheblichen Worte: "Ach, du dummes, abgeirrtes Schaf, du wirst schon auch noch irgendwann wieder zurechtkommen..."
Von da an wusste meine Intuition endgültig, dass diese Frau nicht zu eigenem Denken in der Lage ist, sondern hochgradig unter Gehirnwäsche steht - und diese sogar noch weiterzugeben versucht (was ja in solchen Fällen das "Normale" ist). Meine Intuition wusste es. Aber mein "Rest" konnte es nicht fassen und verdrängte es so gut es ging. Irgendwie gingen all diese Absurditäten nicht in mein Gehirn rein. In meiner Naivität hatte ich bisher gedacht, Christen sind Christen, WEIL sie denken können. Aber dass da so viel Manipulation und blinde "Hingabe" im Spiel ist, begann ich erst jetzt in dem Ausmaß zu begreifen. Und dass "Aufrichtigkeit" und "Reife" unter Christen keineswegs so selbstverständlich sind wie man anzunehmen geneigt ist...

Ich hatte in der vorherigen Gemeinde Sonderbares erlebt - wollte mich nun davon erholen und meinen Glauben stärken lassen - und kam also hier nun vom Regen in die Traufe.
Und das war lang nicht alles. Es kam noch manches andere Absurde dazu. In der Fachsprache nennt man das wohl "Mehrfach-Traumatisierung". Es ist mir ein Wunder, dass ich heute überhaupt noch Christ bin. Beinahe hätte ich den gesamten Glauben abgegeben, weil mir allmählich alles wie eine Riesen-Verärmelung erschien. Soviel Unverfrorenheit, Machtspielchen und Heucheleien.
Und besonders unverständlich: Niemand ist dagegen aufgestanden! So viele haben so viel gemerkt und darunter gelitten (ich habe es in vielen Gesprächen gehört), aber sie waren alle zu feige, gegen ihre "Hirten" aufzustehen.
Ich Idiot habe es versucht, bin aber daran kläglich "gescheitert". Ich wurde sauber entsorgt.

Warum haben Christen so einen intensiven Gehorchzwang? Warum bewerten sie das dumpfe Gehorchen höher als Gewissensbisse? Klar, wer nie gelehrt wurde, wie man "selber denkt" und wem aus Bequemlichkeit und "Sicherheit" ein bestimmtes Muster ins Gehirn gewaschen wurde, damit er linienkomform geht und "nach Plan funktioniert", der schafft's einfach nicht, da auszubrechen.... ein Teufelskreislauf.... und das mitten in der "Gemeinde"....

Wo waren da auf früheren Wegen die Hirten und Lehrer, die ihre Schäfchen auf gutem Wege leiten und fördern? Und nicht den bequemen Einschlaf-und-Funktionier-Fraß hinter Stacheldraht verabreichten?


(Diese Dinge sind zum Zeitpunkt, wo ich das hier schreibe, zwar schon drei Jahre her, es kommt aber erst jetzt aus seiner "Verkapselung" heraus. Dinge, die sehr wehtun, kann man oft nicht sofort aussprechen, sondern sie müssen erstmal *ruhen*, damit man sie überhaupt überlebt und die Seele sich erstmal wieder stabilisiert und von dem Schock erholt.)
 
 


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