...wie wieder normal werden?

 

 



Was Betroffenen (die geistlichen Missbrauch erlebt haben) *wirklich* hilft -
Das Gehirn ist ja nunmal keine PC-Festplatte, die man mal eben löschen - und einfach ein neues Programm aufspielen könnte (wie es auch Jutta Wilberts in ihrem Buch "Zerbrochene Flügel" beschreibt (--> siehe Bücher).
Nach dem "Ausstieg" ist erstmal Schock, Trauer, Verwirrung. Der gesamte Boden unter den Füßen weg. Soviele "verschwendete Jahre". Frust, Zorn, Ohnmacht, maßloses Entsetzen.


Was hilft beim "Wieder-normal-werden"?

In einem Themen-bezogenen Gesprächsforum fand ich recht zutreffende Worte, die ich hier freundlicherweise kopieren darf:


>>... Ein Sektenxperte, der Aussteigern hilft (...), meinte, es dauert ungefähr genau so lange wie man in der Bewegung drin war, bis sich ein Aussteiger endgültig davon abgelöst hat. (Anm. v. T.Frieda: Naja, okay, das klingt natürlich frustrierend... dann schaff ich's vielleicht gerade noch, im Seniorenalter wieder als "Normaler" zu existieren... aber nützt ja nix :-) Es kommt aber sicherlich auf die Verfassung des Einzelnen an und darauf, wie extrem die Hirnwäsche war. Auf jedenfall braucht das Opfer und die Umwelt des Opfers eine Menge Geduld. Wenn man Sachen über Jahre als unverbrüchliche Wahrheit eingeimpft bekommen hat, kann man nicht einfach herkommen und das ganze Weltbild an einem Tag umkrempeln. Wir müssen uns immer wieder klar machen, was davon richtig ist und was nicht. Das perfide ist ja, dass manches davon auch richtig ist.

Das andere ist ja auch die
Trauer um das, was man verloren hat. Z.B. die Geborgenheit der Gruppe, die Freunde, vielleicht die grosse Liebe, die Anerkennung durch die anderen Mitglieder, das "einfache Leben", wo ich nicht fragen muss, was ich selbst und was Gott will.

In der Theorie ist man sicherlich schneller abgelöst, aber mit dem Herz und dem Gefühl dauert es viel länger bis man darüber hinweg ist. Ein Opfer braucht nicht in erster Linie eine Aufklärung über die Irrtümer der Gruppe, es braucht auch nicht am nötigsten ein Ablösungsgebet. Es braucht vor allem Menschen, die emotional helfen und eine tragfähige Beziehung zum Opfer aufbauen. Das Opfer braucht Trost und Unterstützung. Nicht einmal, nicht zehnmal, sondern immer wieder. Man muss dem Opfer Lebensmut geben und das Selbstwertgefühl steigern, ihm wieder Würde geben, etc... Das braucht viel Zeit. Das geht nicht in einer halben Stunde nach dem Gottesdienst (Anm. v. T.Frieda: Falls man sich überhaupt noch angstfrei in einen Gottesdienst traut...)<<




Juut beschrieben!! So isset tatsächlich....
Und wichtig: Reden, reden, reden... auch wenn sich
das in gewisser Weise inhaltlich wiederholt, egal,
alles vom Hals reden... oder schreiben...





        Dazu passend gefunden auf
           
 http://www.acharisma.de/deu/schmerzt.html -
   Auszug:

>>Es schmerzt, wenn Du Dir klar wirst, daß Du von vorne beginnen mußt. Du fühlst, daß Du viel Zeit verloren hast. Du fühlst Dich betrogen, enttäuscht, mißtrauisch gegen jeden, auch die Familie, Freunde und auch andere Ehemalige.

Es schmerzt, wenn Du merkst wie schuldig oder beschämt Du Dich fühlst über das, das Du warst - sogar darüber sie verlassen zu haben. Du fühlst Dich niedergeschlagen, verwirrt, einsam. Du findest es schwierig eigene Entscheidungen zu treffen. Du weißt nicht was Du mit Dir selber machen sollst, jetzt wo Du so viel Zeit hast - aber trotzdem hast Du schlechtes Gewissen, Zeit mit Erholung zu verbringen.

Es schmerzt, wenn Du das Gefühl hast, als hättest Du den Bezug zur Realität verloren. Du fühlst Dich so als würdest Du irgendwo ‘dazwischen’ schweben, und fragst Dich ob es Dir wirklich besser geht, und hast Heimweh nach der Sicherheit, die Du in der Gruppe hattest und doch weißt Du, daß Du nicht zurück kannst.

Es schmerzt, wenn Du Dich ganz alleine fühlst - daß es so aussieht, als ob niemand verstehen kann was Du durchmachst. Es schmerzt, wenn Du merkst, daß dein Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl fast nicht mehr vorhanden sind. <<






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